Überalterte Demokratien haben keine Zukunft
In jüngster Zeit wird der drohende Verlust unserer Demokratie diskutiert. Diese Diskussionen verkennen das eigentliche Problem: Unsere Demokratie ist nicht so sehr in Gefahr, weil sie angegriffen wird. Sie ist vor allem deswegen in Gefahr, weil wir bequem geworden sind.
Demokratie ist das System, das wir mit Leben erfüllen
Wir behandeln Demokratie wie ein Naturgesetz. Als würde sie automatisch Wohlstand und Fortschritt garantieren. Doch Demokratie ist kein Heilsversprechen. Sie ist nur ein Werkzeug. Ein Verfahren, bei dem Mehrheiten entscheiden. Diese Mehrheiten prägen die Richtung eines Landes. Genau hier beginnt unser Problem.
Demokratie ist nur so gut wie ihre Bürger
Demokratie macht Menschen nicht mutiger.
Sie macht nur sichtbar, wie mutig sie sind.
Sind Bürger neugierig und risikofreudig, entsteht Aufbruch.
Sind sie satt und vorsichtig, entsteht Verwaltung.
Es hängt von uns und unserer Haltung ab, wie wir uns die demokratische Ordnung zu Nutzen machen.
Altes, träges Deutschland
Fast die Hälfte der Bevölkerung ist über 50. Jeder Vierte über 65.
Mit zunehmendem Alter wächst der Wunsch nach Sicherheit.
Man schützt, was man aufgebaut hat.
Man bewahrt, statt neu zu beginnen.
Das ist kein Vorwurf. Es ist menschlich. Doch für unsere Gesellschaft hat das Konsequenzen. Ältere Mehrheiten prägen Entscheidungen in ihrem Sinne:
- Sicherheit schlägt Risiko.
- Besitzstand schlägt Aufbruch.
- Verwaltung schlägt Gestaltung.
Dementsprechend sieht Deutschland heute so aus: Wir sichern. Wir prüfen. Wir vertagen. Aber wir gestalten nicht mehr.
Das Ergebnis: Stillstand
Die Symptome sind überall sichtbar.
- Genehmigungen dauern Jahre.
- Digitalisierung bleibt Stückwerk.
- Investitionen versanden im Verfahren.
- Innovationen werden zerredet, bevor sie starten.
- Verlustängste bei allen Entscheidungen
- etc.
Wir leben von der Substanz früherer Generationen – von Infrastruktur, Know-how und Wohlstand, die einmal aufgebaut wurden. Aber wir schaffen immer weniger Neues. Wir zehren vom Erbe. Nicht von Zukunft. Das ist keine Prognose. Dieser Prozess läuft längst. Die eigentliche Frage ist nicht, ob wir zurückfallen. Sondern wie schnell. Oder ob uns eine Trendwende gelingt.
Wege für die Zukunft
Der bequeme Weg
Wir machen weiter wie bisher.
Wir verwalten.
Wir vermeiden Risiken.
Wir konservieren Strukturen.
Der Wohlstand erodiert langsam.
Konflikte nehmen zu.
Frust wächst.
Irgendwann wirkt der „starke Staat“, der angeblich aufräumt, plötzlich attraktiv.
Autoritäre Lösungen versprechen Tempo – liefern aber nur weniger Freiheit.
Stillstand bleibt. Nur härter. Nur chaotischer.
Der Aufbruch
Wir können uns heute, sofort, ohne großen Aufwand bewusst anders entscheiden.
Nicht für Bewahrung. Sondern für Bewegung.
Nicht für Angst. Sondern für Mut.
Nicht für Verwaltung. Sondern für Gestaltung.
Eine Gesellschaft wird nicht alt, weil ihre Menschen älter werden.
Sie wird alt, wenn sie aufhört, Neues zu wollen. Also wollen wir wieder mehr:
- Mehr Tempo.
- Mehr Wettbewerb.
- Mehr Verantwortung.
- Mehr attraktive Anreize für Aufbruch und Fortschritt.
So kommen wir in den Aufbruch-Modus
Aufbruch entsteht nicht durch Appelle (davon gibt es reichlich), sondern durch Anreize, die Nutzen versprechen und belohnen. Hier ein paar Beispiele.
- Eine Verwaltung, die konsequent digital arbeitet, die Anträge in maximal x Wochen statt in Jahren bearbeitet und Fördermittel nur dort einsetzt (und bewilligt bekommt) wo die Prozesse digitalisiert und messbar effizient sind. Behörden als Dienstleister – nicht als Bremsklötze.
- Eine Politik, in der nicht nur Erfahrung zählt, sondern auch Perspektive. Mit verbindlichen U30-Anteilen in Gremien und klaren Altersgrenzen, damit Generationen wirklich gemeinsam entscheiden.
- Ein Bildungssystem, das nicht Lernstoff vermittelt, sondern Können fördert: digitale Kompetenz, Eigenverantwortung, Unternehmergeist, Lust am Ausprobieren. Schulen, die Gründer, Entwickler und Problemlöser hervorbringen – nicht nur Prüflinge.
- Eine Mobilitätspolitik, die technologieoffen bleibt, aber emissionsarme Lösungen klar begünstigt. Wer sauberer unterwegs ist, spart Zeit und Geld. Wer am Alten festhalten will, zahlt mehr.
- Straßenbau: Nur wer Baustellen zu verbindlichen Terminen in verbindlicher Qualität abschließt, kann sich für Folgeaufträge qualifizieren.
- Ein Gesundheitssystem, das Prävention belohnt statt nur Reparatur finanziert. Belohnt werden Vorsorge, Ergebnisse der Vorsorge, BMW, Fitness etc. –> Wer Verantwortung für sich übernimmt, wird entlastet. Wer Risiken ignoriert, trägt mehr Kosten. Eigenverantwortung wird wieder selbstverständlich.
- Energiepolitik: Haushalte oder Unternehmen, die Strom sparen, erhalten Strompreissenkungen. Ebenso Haushalte oder Unternehmen, die den Anteil an erneuerbaren Energien steigern.
Wir schaffen ein Umfeld, in dem Fortschritt einfacher und attraktiver ist als Stillstand. Und wo Ziele und Effizienz klar messbar sind und nicht lange interpretiert und gedeutet werden müssen.
Die eigentliche Zukunftsfrage
Demokratie funktioniert nur, wenn Bürger gestalten wollen. Nicht, wenn sie nur bewahren. Die Staatsform ist nicht unser Problem. Unsere Haltung ist es. Die gute Nachricht: Unsere Haltung können wir ändern. Von jetzt auf gleich. Wir haben alle Mittel und Fähigkeiten dazu. Die Frage ist nur:
WOLLEN wir wieder ein Land sein, das aufbricht und Zukunft gestaltet? Oder wollen wir nachfolgenden Generationen – unseren Kindern und Kindeskindern – ein Land übergeben, das nur Stillstand verwaltet hat?
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